Vanessa und Marco Vanessa, Jahrgang 1982, geboren in Hamburg, Bildredakteurin

Marco, Jahrgang 1976, geboren in Recklinghausen, freier Fotograf

Hier wohnen sie also, in zwei über ein massives Gebäude miteinander verbundenen Eisenbahnwaggons in Marl-Sinsen im nördlichen Ruhrgebiet, gemeinsam mit der Katze „Wurm“ und den Hühnern „Schnitzel„.

Was treibt zwei Menschen an, „Zugvögel“ zu werden? „Bei mir war das ein Kindheitstraum. In der Schule bin ich mit einem vergleichbaren Projekt in Berührung gekommen. Da war mir klar: Das will ich auch“, erinnert sich Marco. Ende 2006 lernte er dann Vanessa kennen, stilecht im ICE nach Frankfurt: „Wir waren beruflich gemeinsam unterwegs, hatten uns aber vorher noch nie gesehen.“ Seit Dezember 2007 sind die beiden ein Paar.

Die Sterne für eine gemeinsame Zukunft – und dann noch in Eisenbahnwaggons – standen anfangs gar nicht günstig, weiß Vanessa: „Ich hatte gerade eine neue Stelle in Berlin zugesagt, die ich Anfang 2008 auch angetreten habe.“ Vielleicht war es ja die Fernbeziehung, die die Sehnsucht nach einer mobilen Immobilie wachsen ließ. Im Frühsommer 2009 kauften Vanessa und Marco bei einem Baseler Geschäftsmann ihre beiden Traumwaggons. Da war Vanessa noch in Berlin, doch das hat sie nicht gestört: „Ich wusste genau: Marco kriege ich weder in ein Reihenhaus noch bekomme ich von ihm einen Heiratsantrag. Aber die Frage, ob ich mit ihm in zwei Eisenbahnwaggons ziehe – die war für mich wie ein Antrag.“ Das kann man sicher so sehen.

Der Mut des Paares sorgte bei Familien, Freunden und Bekannten für Bewunderung. Aber war das ganze nicht auch ein wenig naiv? Vanessa sagt: „Vielleicht war es das, wir haben nicht viel über 'Was wäre wenn' nachgedacht. Aber so ungewöhnlich das klingt: Das Projekt hat bei allem Stress bis heute nicht genervt. Es war und ist sehr anstrengend, aber es fühlt sich immer besser an. Jetzt können wir anfangen, die Dinge zu genießen.“ Etwas Angst kam erst im Nachhinein auf: „Heute denke ich manchmal über die Finanzierung und andere Dinge nach. Wir haben sicher auch etwas Glück gehabt“, weiß Vanessa. „Ob bei Banken oder in Rathäusern: Der Fall, dass zwei Menschen in Eisenbahnwaggons ziehen wollen, war wohl nicht vorgesehen.“

Überrascht hat Vanessa und Marco die große Zahl an Besuchern, die erstaunt vor den beiden Wohnwaggons in Marl-Sinsen stehen bleiben. „Die Leute machen Radtouren hierhin oder wir sind Ziel beim Geocaching. Ich weiß auch nicht, wie viele Besuchertouren durch unser Haus wir bisher schon gemacht haben. Aber das nervt nicht. Wir finden es schön, wenn andere das Haus auch mögen.“ Überrascht ist Marco da schon eher von Vanessa: „Mich wundert, dass sie das alles mitgemacht hat.“ Dann wird sie doch sicher auch Toleranz aufbringen für Marcos neuen Zukunftstraum: „Ich habe da an einer alten Zeche ein prima Fördergerüst gesehen. Das würde prächtig in unseren Garten passen.“