Zur Realität wurde der Traum vom eigenen Waggon im Frühsommer 2009. Hört man Vanessa und Marco zu, dann erkennt man schnell, dass Werbeversprechen manchmal doch stimmen: „Was zählt, ist das Projekt!“ Einen richtigen Plan hatte das abenteuerlustige Paar nämlich nicht, als sich die Chance auf zwei alte Postwaggons ergab. „Ein Geschäftsmann aus Basel hatte zwei baugleiche Wagen im Angebot, die in Krefeld standen“, erzählt Marco. Es ging eine Weile hin und her. „Dann, wir waren gerade bei meiner Familie in Italien, haben wir die beiden Waggons gekauft.“

Ein Grundstück hatten sie da freilich noch nicht: „Wir haben parallel mit den Vorarbeiten an den beiden Eisenbahnwaggons in Krefeld und mit der Grundstückssuche begonnen.“ Letztere gestaltete sich überaus schwierig, erinnerte sich Vanessa: „Man kann zwei Postwaggons nicht 'mal eben' in ein Wohngebiet stellen. Und man kann auch nicht in einem reinen Industriegebiet wohnen. Also blieb uns ein Mischgebiet, wo Platz für Marcos Fotostudio und für unser Haus war.“ Es gab mehrere mögliche Standorte, doch viele Ideen zerschlugen sich rasch wieder. Schließlich galt es nicht nur, ungezählte Auflagen zu erfüllen. „Der Transport von zwei 27 m langen Eisenbahnwaggons stellt auch hohe Anforderungen an die verkehrsgeografische Lage“, erklärt Marco.

Es wurde schließlich Marl-Sinsen, wo Vanessa und Marco im Spätsommer 2009 ein 1.600 m² großes Grundstück im Gewerbegebiet Wallstraße kauften. Im November rollte dann der Schwertransport mit den frisch geschliffenen und lackierten Postwaggons an. „Das war vielleicht das Highlight der gesamten Bauphase. Zwei Waggons von Krefeld nach Marl-Sinsen zu bekommen, das hatte schon was. Die ganze Sache dauerte drei Tage.“

Jetzt ging die Arbeit erst so richtig los. Die Waggons wurden entkernt, fast komplett auseinander genommen und wieder neu montiert. „Unser Ziel war es, alles möglichst original zu erhalten – bis hin zur Notbremse. Allerdings muss ein Haus ja auch bewohnbar sein und gewissen Standards entsprechen“, sagt Marco. So wurde etwa die Innenverkleidung vorsichtig entfernt, um die Waggons dämmen zu können. Ebenso vorsichtig wurde die Verkleidung anschließend wieder montiert. Die Decken mussten raus, der Boden ebenso und nicht zuletzt auch die Postfächer, in die die Zugbesatzung einst bei voller Fahrt die Briefe sortierte. „Zeitweise stand da nur noch die nackte Stahlhülle der Waggons. Wir haben das alles in Eigenleistung gemacht, sonst wäre es nicht zu bezahlen gewesen. Abgesehen davon, haben viele Handwerker beim Anblick unserer Eisenbahnwaggons sowieso kapituliert.“

Natürlich geschah auf dem Weg bis zum Einzug immer wieder Unvorhergesehenes. Da kann auch schon mal der Einbau der Keramik zur Herkules-Aufgabe mutieren. „Da, wo das Fallrohr der Toilette abgehen sollte, befand sich das Drehgestell des Waggons. Da hast du keine Chance.“ Wenn auch die Baustelle noch für eine ganze Weile Dauerzustand bleiben dürfte, so folgte Silvester 2010 doch der langersehnte Einzug ins Eigenheim. „Kochen konnten wir da schon, nur leider nicht duschen. Die Wasserleitung war eingefroren, es war bitterkalt und es fehlte noch die Dämmung“, erzählt Marco.

Seit dem Einzug hat sich eine Menge getan. „Jetzt, Mitte 2011, können wir das schon genießen“, freut sich Vanessa. Ganz fertig sein dürfte das kuriose Bauwerk aber wohl erst in ein paar Jahren.